Edewechts Mühlen, Teil 12 - Die wechselvolle Geschichte der Westerschepser Mühle an der Aue
- Heimatarchiv Team
- 5. Okt. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Nov. 2024
Bis zum Jahr 1799 reicht die Geschichte dieser markanten Windmühle zurück. Die ersten Betreiber waren die Brüder Ahlert und Johann Braje. Eine erhalten gebliebene Urkunde der Großherzoglich Oldenburgischen Regierung vom 11. Juli 1853 berichtet ausführlich, daß Braje und Eilers zu Westerscheps unter dem 20. März 1799 die „Landesherrliche Concession“ zur Erbauung einer holländischen Windmühle und Einrichtung eines Roggen- und Weizenmehl-, Pell-, Grütz- und Ölganges gegen Entrichtung einer jährlichen „Recognition“ von 12 Reichsthalern und von 15 Reichsthalern für die übrigen Gänge unter gewissen näheren Bedingungen erteilt wurde.

Die Westerschepser Mühle
Die Eigentümer wechselten in der Folgezeit häufig. Es gab auch mehrere Konkursfälle, die der Mühlenbetrieb überstand. Im Jahr 1827 kam es zu einem Brandfall. Die größere Ersatzmühle zeigte sich gleichfalls vorteilhaft im Ammerländer Landschaftsbild - fast direkt an der Aue. Am 25. Mai 1830 wurde die Concession auf die neuen Besitzer der Mühle Gerd Deye zu Edewecht und Gerdt Ahlert Gehrels zu Westerscheps übertragen. Aber auch diese scheinen sich ihres Besitzes nicht lange erfreut zu haben. Am 26. November 1841 wurde die Mühle an einen auswärtigen Käufer, Reingard Watzema und Ehefrau Margarethe, sowie am 29. November 1850 an Johann Heinrich August Barklage zu Westerscheps und Maria Margarethe Christine Trittien verkauft.
Es darf angenommen werden, daß für den häufigen Besitzerwechsel insbesondere Personalmangel verantwortlich war, da bei der „Concessionserteilung“ an Barklage die Auflage gemacht wurde, daß der „jederzeit tüchtige und beeidigte Müller und Mühlenknechte auf der Mühle zu halten sind, den Mahlgästen immer gebührend, bescheiden und ordentlich zu begegnen sei, sie (die Mahlgäste) in allen Fällen redlich und gewissenhaft zu bedienen seien, von dem zur Mühle gebrachten Roggen, Malz und Schweinekorn nicht mehr als bei den übrigen Windmühlen in der Vogtei Zwischenahn (dazu zählte damals auch Edewecht) hergebrachten Matten nehmen gemacht wurde“.
Die Auftragslage der Windmühle wurde in der Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts durchaus als gut bezeichnet, auch wenn sich in dieser Zeit langsam der Kartoffelanbau durchsetzte. Die Mühle war 1879 vom Blitz getroffen worden und in Flammen aufgegangen. 1880 wurde sie wieder aufgebaut.

Mühle Kruse in Westerscheps 1972
Im Jahr 1891 ging die Mühle von Barklage zunächst pachtweise und drei Jahre später in den Besitz von Georg zu Jeddeloh über. Am 1. Mai 1906 erwarb Familie Kruse die Westerschepser Mühle, die sich ab diesem Zeitpunkt bis heute im Besitz Kruses befindet. Das Schicksal meinte es abermals nicht gut mit der Westerschepser Mühle. Der Rote Hahn versuchte mehrmals, die geflügelte Mahleinrichtung an der Aue zu vernichten. Am 6. Mai 1921 und am 25. Mai desselben Jahres (sogar zweimal an einem Tag!) wurde die Mühle vom zündelnden Blitz getroffen. Schnelles Eingreifen durch den Besitzer Kruse konnte jedes Mal Schlimmeres verhindern.
Um auch in windstillen Zeiten den Anforderungen der Landwirtschaft mit stärker aufkommender Schweinemast zu genügen, wurde bereits 1908 ein Benzolmotor angeschafft, der 1934 durch einen 25-PS-Dieselmotor ersetzt wurde. Gleichzeitig erfolgte 1934 die Aufstellung einer Saatgutreinigungsanlage zur Produktion von Back- und Saatroggen.
Anfang 1945 geriet die Mühle neben vielen Jahrhunderte alten Bauernhöfen in den Mittelpunkt der schweren Frontkämpfe, attackiert von englischen Fliegern und kanadischen Bodentruppen. Ihr wurden schwere Schäden zugefügt. Zudem erlitt die Mühle im Frühjahr 1949 weitere Schäden durch abermaligen, zweifachen Blitzeinschlag. Der Besitzer Hermann Kruse scheute keine Kosten und baute die weithin sichtbare Mühle wieder auf. Sie war damals die einzige, betriebsfähige Windmühle im Ammerland.

Müller Kruse in Aktion 1972
Der Betrieb wurde vor längerer Zeit aufgrund veränderter Mahltechnik eingestellt. Bis heute und hoffentlich in den kommenden Jahrzehnten durften und dürfen wir und kommende Generationen uns an dem landschaftsprägenden Kulturdenkmal in Westerscheps erfreuen.
Quellen:
Karte: KommunalVerlag, Essen 1 : 15000
Bilder: Gerold Kunze, Jeddeloh I, Heimatarchiv Edewecht
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