Johannes Eden der 16. Prediger des Bezirks Edewecht(1898, 1911 – 1919)
- Johann Lüschen
- 12. Nov. 2024
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Feb.
Johannes Friedrich Eden wurde am 15. Dezember 1869 als Sohn des Schneidermeisters Gerhard Heinrich Eden und seiner Frau Trientje, geborene Koopmann, in Berdumer Altendeich (heute ein Ortsteil der Stadt Wittmund in Ostfriesland) geboren.
Johannes hatte eine fromme Mutter. Ihre christliche Ausstrahlung formte ihn, und er entschloss sich früh, Gott zu dienen.

Johannes Eden der 16. Prediger des Bezirks Edewecht
Sein Vater starb, als er und seine Geschwister noch nicht volljährig waren. Seine Jugend war deshalb entbehrungsreich. Später zog er als Handwerksgeselle nach Oldenburg. Religion und Kirche wurden für ihn nun unwichtig, aber das Leben eines Arbeitskollegen beeindruckte ihn. Er nahm von ihm eine Einladung zu einer Versammlung der Methodisten an. Die Predigten und das Wirken des damaligen Gemeindepredigers in Oldenburg Richard Wobith und des „Ostfriesenapostels“ Franz Klüsner wurden entscheidend für sein weiteres Leben. Er beendete seine glaubensschwache Zeit und fing an, in der Gemeinde mitzuarbeiten. Er wollte nun vom Leiter der Sonntagsschule wissen, wo denn seine Klasse sei. Die Antwort war: „Die musst du dir auf der Straße suchen!“ Er wurde ein hervorragender Sonntagsschullehrer und förderte Zeit seines Lebens die Sonntagsschularbeit.
Sein Nachruf beschreibt diese Zeit so:
„Seine tiefe Frömmigkeit und sein heiliger Eifer für das Werk des Herrn blieben in der Gemeinde Oldenburg nicht unentdeckt. Er erhielt die Ermahnerlizenz und fing an, die ersten Versammlungen zu halten. Weil er sich seiner inneren Berufung für das Predigtamt gewiss geworden war, folgte er willig dem Ruf seiner Kirche und seines geistlichen Vaters Franz Klüsner.“
Johannes Eden gehört zu den Predigern, die zwei Amtszeiten in Edewecht verbrachten. Das erste Mal wurde er im Frühjahr 1898 mit der Betreuung unseres Bezirks beauftragt. Sein Studium im Frankfurter Seminar war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht abgeschlossen. Die in Edewecht durch den Tod des Gemeindepredigers Johann von Oehsen entstandene Lücke wollte die Kirchenleitung aber möglichst schnell schließen.
Für seine erste Amtszeit liegen keine Quellen vor. Es wurde kein Kind getauft und keine Ehe geschlossen. Erwähnenswert ist aber, dass in dieser Zeit in Amerika der aus Klein Scharrel ausgewanderte Laienprediger und Pionier der Methodistengemeinde Edewecht, Gerd Bölts starb.
Die erste Amtszeit von Prediger Eden in Edewecht dauerte nur wenige Monate, dann wurde er nach Dornum in Ostfriesland versetzt. Danach arbeitete er sechs Jahre als Gemeindeprediger in Thüringen in den Gemeinden Triebes und Remptendorf, um dann den Bezirk Neerstedt (Landkreis Oldenburg) zu übernehmen.
Mit Beginn des Konferenzjahres 1911/12 begann er seinen zweiten Dienst in Edewecht.
Anfangs herrschten ruhige politische Zeiten und das Deutsche Reich stand wirtschaftlich gut da. Noch kurz vor Ausbruch des Krieges wurde das gut besuchte Sommergemeindefest im „Wittenheim“ bei Westerstede gefeiert.
Dann begann für Johannes Eden und seinen Bezirk eine bedrückende Zeit. Gleich am Anfang des Krieges 1914 wurde er sechs Wochen eingezogen. Die Vertretung übernahm der Seminarist Bernhard Vogelsang. Im März 1917 wurde er dann wieder eingezogen.
In der Gemeindearbeit musste er oft vertreten werden. „Ohne die Laienprediger „Vater Wenke“, Friedrich Rohr, August Eilers, Fritz Eilers, Fritz Höpken (er fiel schon in den ersten Wochen des Weltkriegs) und Johann Müller hätte die Arbeit auf dem Bezirk Edewecht /Westerstede gar nicht bewältigt werden können“. Daran erinnerte sich seine Tochter Johanna.
Obwohl es in den weitaus meisten Teilen Deutschlands und in Edewecht zu keinen Kriegshandlungen kam, waren die Auswirkungen zu spüren. Männer aus der Gemeinde starben als Soldat oder kamen schwer verletzt aus dem Krieg zurück. Die unzureichende Versorgung mit Lebensmitteln brachte viele Familien in echte Notlagen.
Johanna, die Tochter, schilderte die Zeit so: „Nach etwa einem Jahr Krieg machte sich die Lebensmittelknappheit in Deutschland mehr und mehr bemerkbar. Das erforderte, dass auch wir als Familie uns in vielem umzustellen hatten. Wir waren ja umgeben von ländlichen Selbstversorgern, weswegen in solchen Gebieten die Stadtbewohner als Nichtselbstversorger oft benachteiligt waren. Wenn wir bis dahin nur einen kleinen Garten bearbeitet hatten, mussten wir jetzt einiges Kleinvieh aneignen. Zunächst schafften wir einige Hühner an, um wenigstens Eier zu haben, die käuflich auch nur noch schwer zu haben waren.“
Johannes heiratete 1902 zwischen den beiden Edewechter Amtszeiten Emma Klein aus Donsbach bei Dillenburg in Hessen. 1903 wurde die Tochter Johanna geboren, die später den Prediger und Evangelisten Friedrich Müller heiratete.
Emma starb 1907 bei der Geburt der zweiten Tochter Magdalene, die am Sarg der Mutter getauft wurde. Magdalene starb noch als kleines Kind. Nach ihrem Tod heiratete Johannes 1908 Johanna Klein, die jüngere Schwester von Emma. Sie wurde 1888 geboren und starb 1959. In die Edewechter Zeit fiel auch die Geburt des Sohnes Johannes Friedrich. Er wurde am 9. Oktober 1915 in Edewecht geboren und am 4. November „im Hause der Eltern“ vom Methodistenprediger Franz Klüsner getauft.
Insgesamt wurden in seiner Amtszeit 43 Kinder getauft und 7 Ehen geschlossen; 19 Gemeindeglieder starben. 13 Predigtplätze mussten versorgt werden. In den Berichten des Superintendenten wird auf die zahlreichen Wegzüge und wenigen Zuzüge hingewiesen.
Nach sieben Jahren Predigertätigkeit führte ihn der Weg nach Aurich in Ostfriesland (bis 1925). Dann ging es wieder in die andere Ecke Deutschlands nach Schlesien. Dort betreute er die Gemeinden Glogau und Liegnitz. 1934 begann offiziell sein Ruhestand, den er zuerst in Dillenburg in Hessen verbrachte. Er hat diesen Lebensabschnitt ignoriert. Er half überall aus. Für die Zeit des Zweiten Weltkriegs ließ er sich von der Kirche noch einmal offiziell in die Pflicht nehmen: Seine Dienstzuweisung lautete: „Bedienung der verwaisten Gemeinden des Rheinlandes“. Nach dem Tod seiner zweiten Frau Johanna zog er nach Delmenhorst zu seiner Tochter. Auch jetzt erlahmte sein Arbeitseifer noch nicht.
Er hielt so viele Gottesdienste und Bibelstunden, wie es seine Gesundheit und sein Alter zuließen.
1958 war er Gast beim 100 jährigen Gemeindejubiläum in Edewecht.
Ich kann mich gut an den Prediger Johannes Eden erinnern. Er hielt im hohen Alter noch Gottesdienste in Edewecht.
Er führte ein sehr genaues Tagebuch, in das er jeden Gottesdienst und jede gehaltene Bibelstunde eintrug, versehen mit dem Bibeltext und geordnet nach
Predigtplätzen.
U. a. führte er die Orte Edewecht, Scheps, Godensholt, Westerstede, Augustfehn, Bokel, Apen, Jeddeloh, Portsloge, Scharrel, Großsander und Kayhausermoor auf, die er mit seinem Fahrrad anfuhr. Er vermerkte auch, wenn er Lichtbilder einsetzte. Auch die anderen Gemeindeveranstaltungen wurden säuberlich notiert. Leider ist dieses Tagebuch zurzeit nicht auffindbar.

Der Gemeindeprediger Johannes Eden starb im April 1961 im 92. Lebensjahr.
Johannes Eden war für viele eine prägende Persönlichkeit. Sein Nachruf drückt dies so aus:
„An jedem Platz hat Bruder Eden im großen Segen wirken dürfen. Seine Stärke war die Seelsorge und die Unterweisung der Jugend. Seine sorgfältig vorbereiteten Predigten waren einfach und schlicht und aus dem Wort geschöpft. Gern und viel hat er evangelisiert. Er verstand es, die Menschen zur Entscheidung zu rufen und zur Übergabe an den Herrn zu führen. Vor allem war er ein treuer Beter.“
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